Verfemte Autoren

Die unter den Nationalsozialisten verfemten, verfolgten und oft ermordeten (hauptsächlich jüdischen) Autoren, die in den Heften des Poesiealbums eine Würdigung Ihres Werkes – und damit Ihres Lebens und Wirkens – erfahren haben, sind (mit fast 16 %) eine stark vertretene Gruppe.

Die aktuell von gewissen Polit- und Medienkreisen propagierte These von der »nur verordneten antifaschistischen« oder sogar antisemitischen DDR-Gesellschaft ist zumindest für das Poesiealbum ad absurdum zu führen; hier wurde durch die Verantwortlichen bewußt (und ganz im Gegensatz des auch in der Nachkriegszeit in der BRD weiterwirkenden Totschweigens der ›Verbrannten Dichter‹) eine Aufarbeitung der faschistischen Unmenschlichkeit – die auch oder besonders die Vernichtung der intellektuellen Eliten des Judentums und des kommunistischen wie christlichen Widerstandes zum Ziel hatte – betrieben.

So formulierte Bernd Jentzsch, Mitbegründer und Herausgeber der Reihe über ein Jahrzehnt, seine antifaschistische Grundhaltung mit der er die Reihenkultur des Poesiealbums prägte, in einem Gespräch mit André Hille auf poetenladen.de: »Ein Grundmotiv in unserer Familie war, so wie in der ganzen DDR, der Antifaschismus. Da die Eltern und die beiden Großväter sehr starke Repressalien in der Nazizeit auszuhalten hatten, ist klar, daß das in der Familie Echos hinterließ. Meine Mutter hat immer gesagt: Nie wieder Faschismus. Das klingt wie eine leere Formel, ist aber genauso gemeint [gewesen]. Und das war auch mein Grundmotiv.« Daß auch die nachfolgenden Herausgeber diese Haltung ohne Abstriche weitergeführt haben, belegt die Immanenz dieser Gesinnung in der geschichtsbewußten Bevölkerung der DDR.

Fortgesetzt wird die Ehrung dieser »ausgezeichneten« Lyriker auch mit den Heften des Märkischen Verlags als Reihenschwerpunkt zum Jahresende, gekennzeichnet mit einem eigenen Signet auf dem Rückumschlag: ›Verfemte Dichter – verbrannte Bücher‹.

Bisher erschienen:

Erich Arendt
Rose Ausländer #
Johannes R. Becher #
Thomas  Brasch *
Bertolt  Brecht #
Paul Celan #
Paula  Dehmel *
Hilde Domin #
Ferdinand Freiligrath *
Erich Fried *
Luis Fürnberg #
Iwan Goll #
Heinrich Heine #
Stephan Hermlin *
Jakob van Hoddis  #
Mascha Kaléko #
Erich Kästner #
Friederike Kempner *
Gertrud Kolmar
Theodor Kramer *
Günter Kunert *
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Else Lasker-Schüler #
Rudolf Leonhard *
Wladimir Majakowski #
Itzik Manger *
Hans Marchwitza #
Samuil Marschak *
Karl Marx #
Selma Meerbaum-Eisinger *
Walter Mehring
Erich Mühsam *
Arno Reinfrank *
Joachim Ringelnatz #
Nelly Sachs #
Hans Sahl *
Arthur Silbergleit *
Ernst Toller #
Kurt Tucholsky #
Berthold Viertel #
Erich Weinert #
Günther Weisenborn
F.C. Weiskopf [Franz Carl]#
Friedrich Wolf #
  76 (1974)
292 (2011)
  24 (1969)
  89 (1975)
   1 (1967+1980)
 137 (1979)
 263 (1989)
309 (2013)
 102 (1976)
  22 (1969)
  12 (1968)
182 (1982)
   3 (1967)
 64 (1973)
219 (1985)
273 (1990)
  66 (1973)
239 (1987)
315 (2014)
  96 (1975)
   8 (1968, 2012)
 78 (1974)
250 (1988)
  46 (1971)
   2 (1967)
205 (1984)
  93 (1975)
121 (1977)
 32 (1970+1983)
 166 (1981)
321 (2015)
 224 (1986)
 211 (1985)
  26 (1969)
287 (2010)
303 (2012)
327 (2016)
132 (1978)
34 (1970+1990, 2011)
  61 (1972)
   5 (1968)
196 (1984)
119 (1977)
254 (1988)

 

Quellen
# Verfemte Autoren/verbrannte Bücher aus der Liste des Potsdamer MMZ
* Juden in Deutschland, Verlag Das Neue Berlin 2010